Was ist ein Audiogramm?

Ein Audiogramm ist eine Grafik, die das Hörvermögen eines Menschen bildlich darstellt. Sie zeigt an, ob und wie stark Ihre Hörfähigkeit beeinträchtigt ist und von dem normalen Hörvermögen abweicht. Darüber hinaus kann das Audiogramm Hinweise darauf geben, welche Ursachen möglicherweise für den Hörverlustverantwortlich sein können.
Es gibt vier verschiedene Arten eines Hörverlusts: der neurale Hörverlust, die Schallleitungsschwerhörigkeit, Schallempfindungsschwerhörigkeit und die kombinierte Schwerhörigkeit. Ein Audiogramm hilft dabei festzustellen, an welcher Form des Hörverlusts Sie leiden. Auf dieser Grundlage kann der Hörspezialist (Audiologe) die optimale Behandlung auswählen. Da das Hörvermögen Ihres rechten und linken Ohres unterschiedlich gut sein kann, ist es notwendig, für jedes Ohr ein eigenes Audiogramm zu erstellen. Ungewohnt ist die Anordnung im Audiogramm, denn das linke Diagramm zeigt das Ergebnis des rechten Ohres und das rechte Diagramm das Ergebnis des linken Ohres. Grund: Diese Anordnung entspricht sozusagen der Sicht des Arztes auf den Patienten, wenn dieser ihm gegenübersitzt. Hier sieht der Arzt das rechte Ohr des Patienten auf der - von ihm aus gesehen - linken Seite.
Grundsätzlich lassen sich zwei Arten von Audiogrammen unterscheiden: das Ton-Audiogramm und das Sprach-Audiogramm. Welches Audiogramm erstellt wird, hängt von der Fragestellung ab, die untersucht werden soll. Mit einem reinen Ton-Audiogramm lässt sich feststellen, wie gut Sie Töne einer bestimmten Höhe hören können. Um herauszufinden, wie gut Sie (ohne Hörgerät) Sprache verstehen können, muss dagegen ein Sprach-Audiogramm durchgeführt werden. Beide Audiogramme unterscheiden sich in der Durchführung.

Wie wird ein Audiogramm erstellt?

Um ein Audiogramm zu erstellen, ist es erforderlich, einen Hörtest durchzuführen. Dabei werden einzelne Töne einer vorher festgelegten Lautstärke abgespielt. Es geht darum, den leisesten Ton zu finden, den eine Person gerade noch hören können. Die Frequenz und Lautstärke (Intensität) dieses Tons trägt der Audiologe oder Ohrenarzt in das Audiogramm ein. Er stellt die sogenannte "Hörschwelle" der Person dar. Als normal gilt eine Hörschwelle im Bereich zwischen 0 und 25.

Ton-Audiogramm erstellen

Für die Aufzeichnung eines Ton-Audiogramms werden ein Kopfhörer und ein sogenannter "Knochenleitungshörer" benötigt. Über den Kopfhörer gelangt der Schall in das Mittelohr und von dort in das Innenohr, dieser Übertragungsweg wird als "Luftleitung" bezeichnet. Der Knochenleitungshörer wird dagegen auf den hinter dem Ohr befindlichen Knochen gesetzt. Der Schall wird dann über den Knochen (und nicht über das Mittelohr) an das Innenohr weiter geleitet, deshalb heißt dieser Übertragungsweg "Knochenleitung". Der Vorteil dieser unterschiedlichen Übertragungswege besteht darin, dass sie im Audiogramm unterschiedliche Ergebnisse zeigen können, was für den Arzt sehr aufschlussreich ist.

Luftleitung und Knochenleitung

Falls Sie beispielsweise an einer Mittelohrschwerhörigkeit leiden, hören Sie den über den Knochenleitungshörer geleiteten Schall ganz normal, weil das beeinträchtigte Mittelohr hierfür überhaupt nicht benötigt wird. Hören Sie den Schall jedoch über den normalen Kopfhörer, zeigen sich bei einer Mittelohrschwerhörigkeit (unterschiedlich große) Einbußen des Hörvermögens. Die Luftleitung- und Knochenleitungskurven im Audiogramm weichen also voneinander ab, dieser Abstand wird als "Schallleitungskomponente" bezeichnet. Eine Mittelohrschwerhörigkeit ist im Übrigen gar nicht so selten, sie kann durch ein Loch im Trommelfell, aber auch eine chronische Mittelohrentzündung oder einen sogenannten Paukenerguss verursacht werden. Sollten Sie stattdessen eine Innenohrschwerhörigkeit haben, zeigt das Audiogramm über den Kopfhörer und den Knochenleitungshörer die gleichen Ergebnisse, nämlich eine Beeinträchtigung des Hörvermögens. Hörsturz und Altersschwerhörigkeitsind typische Beispiele für eine Innenohrschwerhörigkeit. Manche Patienten leiden an einer kombinierten Schwerhörigkeit. Bei ihnen sind beide Arten der Schwerhörigkeit vorhanden. Dies kann zum Beispiel auftreten, wenn es bei einem Ohr mit beschädigtem Trommelfell zu einem Hörsturz kommt.

Sprach-Audiogramm erstellen

Für die Erstellung eines Sprach-Audiogramms kommen je nach Fragestellung normale Kopfhörer oder Lautsprecher zum Einsatz. Bei diesem Test hören Sie in verschiedenen Lautstärken mehrere Zahlwörter, die aus mehreren Silben bestehen (zum Beispiel 34, 58 oder 72) und einsilbige Testwörter. Im Audiogramm wird die Verstehens- oder Verständnisquote erfasst, die Aufschluss darüber gibt, ob ein Hörgerät erforderlich ist oder nicht. Ein Beispiel: Bei einsilbigen Wörtern liegt die Verstehensquote bei 65 dB. Wenn Sie bei einsilbigen Wörtern in dieser Lautstärke weniger als 85 % verstehen, könnte ein Hörgerät für Sie sinnvoll sein. Darüber hinaus lässt sich anhand der Verstehensquote bei den verschiedenen Lautstärken auch das Ausmaß der Schwerhörigkeit berechnen, das zum Beispiel für eine Begutachtung wichtig ist.

Wie ist ein Audiogramm zu lesen?

Jeder Ton ist gekennzeichnet durch eine bestimmte Frequenz (Tonhöhe) und Lautstärke. Auf der horizontalen Achse im Audiogramm sind die Frequenzen, also die verschiedenen Tonhöhen von 125 bis zu 8.000 Hertz (Hz), abgetragen. Ähnlich wie bei einer Klaviertastatur sind auch im Audiogramm niedrige Töne auf der linken Seite und hohe Töne auf der rechten Seite zu finden. Frequenzen sind nichts anderes als die Anzahl der Schwingungen, die ein Ton pro Sekunde macht. Je höher der Ton ist, desto höher ist auch die Frequenz. Ein Beispiel: Ein tropfender Wasserhahn hat eine Frequenz von 250 Hz, ein normales Gespräch liegt bei 500 bis 3.000 Hz und ein läutendes Telefon - je nach eingestellter Lautstärke - bei bis zu 8.000 Hz. Auf der vertikalen Achse im Audiogramm steht die Lautstärke (oder Intensität) von Tönen, die in der Einheit Dezibel (dB) gemessen wird. Ein Beispiel: Ein normales Gespräch hat eine Lautstärke von etwa 65 dB, während ein in der Nähe startender Düsenjet eine Lautstärke von 120 dB erreicht. Im Audiogramm liegen diese sehr lauten Töne (120 dB) ganz unten auf der Achse und sehr leise Töne weit oben. Am oberen Ende steht 0 dB, wobei dies dem leisesten Ton entspricht, den Menschen üblicherweise noch wahrnehmen können.

Hörschwellen im Audiogramm

In das Audiogramm werden verschiedene Symbole eingetragen, die Auskunft über die Art des Tests geben. Tests des Mittelohrs (Luftleitung) werden mit Kreisen oder Kreuzen und einer durchgezogenen Linie dargestellt, während Tests der Knochenleitung mit Dreiecken und einer gestrichelten Linie gekennzeichnet werden. Rote Kreise stellen die Ergebnisse des rechten Ohrs und blaue Kreuze des linken Ohrs dar. Die Position dieser Symbole im Audiogramm ist ebenfalls von größter Bedeutung. Je weiter unten ein Symbol im Audiogramm liegt, desto größer sind die Beeinträchtigungen bei der bestimmten Frequenz. Die Position der Symbole im Audiogramm entspricht den Hörschwellen, also den leisesten Tönen, die Sie gerade eben noch hören können.

Unbehaglichkeitsschwellen

Darüber hinaus lassen sich in einem Audiogramm auch die sogenannten Unbehaglichkeitsschwellen eintragen. Sie zeigen die Lautstärke an, ab der Sie einen Ton einer bestimmten Frequenz (Höhe) als unangenehm laut empfinden. Im Audiogramm werden sie mit einem Symbol dargestellt, das aussieht wie ein auf der Seite liegendes großes E oder ein kleines m.