Ein Paukenerguss ist keine Bagatelle

Von einem Paukenerguss sprechen Mediziner, wenn sich im Innenohr Flüssigkeit ansammelt. Die Beschaffenheit dieses Sekretes kann sehr unterschiedlich sein. Die Spanne reicht von wässrig (serös) bis leimartig. Nicht selten bleibt ein Paukenerguss unbemerkt, weil er unter Umständen innerhalb weniger Tage spontan ausheilt. Damit sich keine chronische Erkrankung entwickelt, sollte trotzdem jedem Verdacht auf einen Paukenerguss umgehend nachgegangen werden. Je schneller die Behandlung einsetzt, desto wirksamer lassen sich schwerwiegende Komplikationen vermeiden.

Kinder sind überdurchschnittlich häufig betroffen

Besonders wichtig ist das Thema für Eltern kleiner Kinder. Mütter und Väter sollten sich rechtzeitig über die Symptome und Gefahren eines Paukenerguss informieren, denn Kinder sind deutlich häufiger als Erwachsene betroffen. Da die Flüssigkeitsansammlung zu einer Störung des Hörvermögens führt, kann es durch den Paukenerguss zu Problemen bei der Entwicklung des Sprachvermögens kommen. Welche schwerwiegenden Auswirkungen das für die Zukunft des Kindes haben kann, wissen verantwortungsvolle Eltern nur zu gut. Nicht nur die schulischen Leistungen leiden, wenn das Kind nicht richtig hört. Wer seinem Kind spätere Einschränkungen bei der Berufswahl ersparen möchte, sollte darum gut über den Paukenerguss und die Therapiemöglichkeiten Bescheid wissen.

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Symptome für einen Paukenerguss

Ältere Kinder und Erwachsene spüren es meist ziemlich schnell, dass mit ihrem Ohr etwas nicht stimmt. Sie hören plötzlich deutlich schlechter, weil die Schallleitung durch die Flüssigkeitsansammlung behindert wird. Hinzu kommt ein Druckgefühl, das von den meisten als sehr unangenehm empfunden wird. Im fortgeschrittenen Stadium kann der Paukenerguss Schmerzen und Schwindelgefühl hervorrufen. Doch diese Symptome treten nicht bei allen Betroffenen auf. Kleinere Kinder sind meist nicht in der Lage, ihr Befinden hinreichend genau zu beschreiben. Eltern sollten darum besonders aufmerksam sein, wenn ihr Kind sich offensichtlich unwohl fühlt und möglicherweise oft an sein Ohr fasst. Hatte das Kind gerade einen Infekt, ist die Wahrscheinlichkeit für einen Paukenerguss erhöht.

Chronischer Verlauf

Dauert die krankhafte Ansammlung von Flüssigkeit mehr als drei Monate an, wird von einem chronischen Paukenerguss gesprochen. Typisch für diese Krankheitsbild ist die Bildung von eitrigem Sekret. Der anhaltende Unterdruck im Innenohr ruft eine Veränderung der Schleimhautbeschaffenheit hervor. Es bilden sich zunehmend Becherzellen, die ein schleimiges Sekret produzieren.

Diagnose des Paukenerguss

Besteht der Verdacht auf einen Paukenerguss, sollte umgehend ein Spezialist konsultiert werden. Der HNO-Arzt wird zunächst eine Ohrspiegelung (Otoskopie) vornehmen. Auf diese Weise kann er Veränderungen am Trommelfell feststellen. Möglicherweise wölbt sich das Trommelfell nach innen oder außen. Selbst eine Ansammlung von Flüssigkeit hinter dem Trommelfell lässt sich häufig bereits durch dieses einfache Verfahren feststellen. Ist das Sekret blutig, beobachtet der Arzt einen bläulichen Schimmer. Wässrige Flüssigkeitsansammlungen lassen sich an einem bernsteinfarbenen Veränderung feststellen. Zusätzliche Informationen liefert die Tympanometrie. Die Methode misst die Schwingungen des Trommelfelles. Mit Hilfe dieses Verfahrens können die Druckverhältnisse im Innenohr noch genauer beurteilt werden.Befindet sich im Innenohr sehr viel Sekret, werden die Schwingungen des Trommelfelles stark gedämpft. man spricht dann von einem Paukenerguss.

Ursachen eines Paukenerguss

Die Ursachen für einen Paukenerguss können sehr vielfältig sein. Bei Kindern, die das achte Lebensjahr noch nicht erreicht haben, gehört der Paukenerguss zu den unangenehmen Begleiterscheinungen banaler Erkältungskrankheiten. Das hängt damit zusammen, dass die sogenannte Ohrtrompete (Eustachische Röhre) erst im Laufe der Zeit ihre Funktion in vollem Umfang erfüllen kann.
Die Eustachische Röhre verbindet die Paukenhöhle des Innenohres mit dem Hals-Nasen-Rachen-Raum. Auf diesem Wege wird die Paukenhöhle belüftet. Die Luft wird dort resorbiert, sodass ständig für Nachschub gesorgt werden muss. Der leichte Unterdruck in der Paukenhöhle, der durch die Resorption entsteht, wird durch Schlucken ausgeglichen. Beim Start eines Flugzeugs spüren wir diese Abläufe deutlich, ansonsten ist der Druckausgleich bei Erwachsenen normalerweise unproblematisch. Bei kleinen Kindern sieht das etwas anders aus. Da die Eustachische Röhre noch nicht voll funktionsfähig ist, kann der Druckausgleich zum Beispiel beim Vorliegen einer vergrößerten Rachenmandel oder von Polypen stark behindert werden. Und selbst eine kleine Erkältung kann zu ernsthaften Problemen führen, die für Nachfolgeschäden wie z.B. einem Paukenerguss sorgen.

Therapien nach einem Paukenerguss

Die Spanne der Therapieansätze reicht vom Nichtstun bis zum operativen Eingriff. In besonders einfachen Fällen kann der Paukenerguss von selbst ausheilen. Das kann einige Tage, manchmal aber auch Wochen dauern. Besser ist es jedoch, die Heilung zu unterstützen, um unangenehme Komplikationen oder Folgeschäden zu vermeiden. Welche Behandlung angezeigt ist, hängt von den Paukenerguss-Ursachen ab.

Abschwellende Nasentropfen

Ist die Belüftung des Innenohres behindert, weil eine Erkältung zu einem Anschwellen der Schleimhäute geführt hat, können abschwellende Nasentropfen oft schon wahre Wunder gengen Paukenerguss bewirken. Obwohl solche Mittel rezeptfrei in der Apotheke abgegeben werden, sollten Nasentropfen und Sprays umsichtig und nur über einen kurzen Zeitraum hinweg angewendet werden.

Physiotherapeutische Behandlung

Nasenspülungen und Inhalationstherapien erweisen sich bei der Behandlung vom Paukenerguss ebenfalls als sehr effektiv. Nach einer entsprechenden Unterweisung können die Patienten solche Maßnahmen auch in der häuslichen Umgebung durchführen.

Medikamentöse Behandlung

In vielen Fällen ordnet der Arzt eine Behandlung mit Medikamenten an. In diesem Bereich gibt es im wesentlichen drei Wege der Behandlung. Verursacht der Paukenerguss starke Schmerzen, können Schmerzmedikamente gezielt eingesetzt werden. Darüber hinaus kommen Medikamente zum Einsatz mit deren Hilfe das Sekret verflüssigt wir, um den Abtransport zu erleichtern. Ist der Paukenerguss die Folge einer bakteriellen Infektion, wird der Einsatz von Antibiotika erwogen. Diese dürfen nur vom Arzt verschrieben werden, um müssen penibel nach Vorschrift eingenommen werden. Bricht der Patient die Behandlung vorzeitig ab, riskiert er eine Resistenz.

Operative Eingriffe bei Paukenerguss

Reichen Physiotherapie und medikamentöse Behandlung nicht aus, kann ein operativer Eingriff helfen, um die Paukenerguss Ursachen zu beseitigen. Ist die Rachenmandel vergrößert, kann dadurch die Belüftung des Innenohrs behindert sein. In diesen Fällen ist eine Entfernung der Rachenmandel (Adenotomie) erfolgreich. In einigen Fällen entschließt sich der behandelnde Arzt zur Trommelfellparazentese. So wird ein Verfahren genannt, bei dem das Trommelfell mit einem kleinen Schnitt versehen wird. Die angesammelte Flüssigkeit kann dann abgesaugt werden. Bei sehr schwerwiegenden Paukenerguss-Erkrankungen und chronischen Krankheitsverläufen kann das Einsetzen eines Paukenröhrchens erforderlich werden. Dazu wird ebenfalls ein Schnitt im Trommelfell eingebracht, in den ein kleines Röhrchen eingesetzt wird. Durch dieses Röhrchen kann das Innenohr zuverlässig belüftet werden und ein weiterer Paukenerguss wird verhindert.

 

© Bilder: Fotolia

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